Auschwitz. Geschichte an ihrem dunkelsten Ort

Für Jacobs Geschichte wollte ich Auschwitz nicht nur aus Büchern und Berichten kennen. Ich wollte den Ort sehen, an dem sich ein entscheidender Teil seines Schicksals abspielt.

Das Eingangstor des Konzentrationslagers Auschwitz

Im dritten Band führt Jacobs Weg nach Auschwitz. Gemeinsam mit seinem Bruder Simon kämpft er dort Tag für Tag ums Überleben. Immer wieder führt sein Weg unter den Worten „Arbeit macht frei“ hindurch, bevor er zur Zwangsarbeit in ein Kohlebergwerk muss. Später gelangt auch Erich Winter nach Auschwitz. Für mich war deshalb klar, dass ich diesen Ort selbst gesehen haben musste, bevor ich diese Kapitel schreiben konnte.

Die Baracken und Pritschen, in die Gefangene ihre Namen eingeritzt haben, die Berge aus Schuhen und Koffern von Menschen, die glaubten, eine Reise anzutreten, das Krematorium und die kaum begreifbare Größe des gesamten Lagerkomplexes gingen mir sehr unter die Haut. Besonders erschütternd empfand ich auch die unmittelbare Nähe des Wohnhauses von Rudolf Höß, der in meinem Roman ebenfalls eine Rolle spielt. Nur wenige hundert Meter trennten sein Familienleben von dem unvorstellbaren Leid im Lager.

Neben meiner Recherche vor Ort waren für mich die Begegnungen mit Überlebenden besonders wertvoll. Ich durfte unter anderem mit Leon Weintraub und Dieter Kraus sprechen und ihren persönlichen Erinnerungen zuhören. Ihre Berichte halfen mir dabei, Jacobs Geschichte mit größtmöglichem Respekt und so authentisch wie möglich zu erzählen.

„Man kann Dokumente lesen, Bilder betrachten und Berichte hören. Aber dort zu stehen, wo Menschen um ihr Leben kämpften, verändert den Blick auf Geschichte. Und es erinnert daran, warum wir ihre Geschichten weitererzählen müssen.“